Bericht von Sandra Schmidt

Kandidatenturnier in Berlin

Am Samstag den 24.03. fuhren Rainer Knöchel, mein Vater Detlef Schmidt und meine Wenigkeit nach Berlin, um zu sehen wie die Supergroßmeister gegeneinander spielen. Zu dem Zeitpunkt führte Fabiano Caruana mit 7 Punkten. Gefolgt von Shakhriyar Mamedyarov der nur um einen halben Punkt im Rückstand lag und Sergej Karjakin und Alexander Grischuk mit jeweils 6 Punkten. Es verhieß eine spannende Runde zu werden. Gerade weil Sergej Karjakin und Fabiano gegeneinander antraten. Denn bereits im vorigen Kandidatenturnier führte Caruana fast bis zum Schluss und wurde von Karjakin letztendlich doch ausgespielt.

Die Karten hierfür habe ich schon im Dezember als Weihnachtsgeschenk für meinen Vater besorgt. Rainer entschied sich spontan mitzufahren. Nach einer aufregenden Fahrt durch die Stadt, in der nach dem Fahrverhalten einiger offensichtlich andere Verkehrsregeln gelten, fanden wir einen schönen Parkplatz unweit vom Veranstaltungsort. An der Kasse gab es dann erstmal eine böse Überraschung. Rainer hatte noch kein Ticket und man teilte uns mit, dass die Veranstaltung bereits völlig ausgebucht ist. Nachdem wir erläutert haben wie lange wir jetzt gefahren sind, wurden beide Augen zugedrückt und gegen viel Aufpreis doch noch ein Ticket an uns verkauft.

Wow, endlich konnten wir die Großmeister, die wir sonst nur aus den Medien kennen live sehen. Für mich wirkte das ein bisschen unreal, als ich vom ersten Stockwerk auf die Spieler hinuntersehen konnte. Zuerst sah ich Ding und Mamedyarov gegeneinander spielen. Dann ging ich an Aronian und Grischuk vorbei und blieb bei Karjakin und Caruana stehen. Ich beugte mich über die Reeling und beobachtete das Geschehen am Brett. Auf einmal krachte es in die Stille. Genau neben mir verlor einer seine volle Wasserflasche, welche lautstark neben Karjakin am Brett zu Boden ging. Dieser drehte sich nur kurz um und verfiel dann wieder in völlige Konzentration. Die Stellung war sehr interessant. An einer Stelle attackierte Caruana mit seinem weißfeldrigen Läufer den Weißfeldrigen von Karjakin. Dieser zog seinen einfach zum Center und opferte die Qualität die dahinter stand. Der Turm wurde geschlagen, dafür war der Läufer nicht mehr aus dem Center zu bekommen. Die Partie von So und Kramnik war nicht weniger spannend. Kramnik opferte eine Figur für 3 Freibauern. Während So anfänglich sorgfältig unter viel Zeitverlust seine Züge berechnete, war Kramnik kaum zu sehen. Wenn er dran war, kam er, dachte 2-3 Minuten über einen Zug nach, zog und verschwand wieder. Am Ende einigten sich beide auf Remis. Caruana konnte seine Nerven nicht beisammenhalten und verlor erneut gegen Karjakin. Auch Mamedyarov verlor seine Partie gegen Ding. Aronian und Grischuk spielten Remis. Somit stand Karjakin nach dieser Runde an der Spitze. Die Nervosität war auch bei den Profis zu erkennen. Während Caruana sein linkes Knie gerne auf und ab bewegt, isst So ein Lakritz Bonbon nach dem anderen und Kramnik dreht seinen geschlagenen Bauern in der linken Hand.

Im oberen Stockwerk konnte jeder die Partien mit Live-Kommentation von GM Arthur Jussopow und GM Ilja Zaragatski verfolgen. Die Pressekonferenz fand ebenfalls dort statt. Anschließend hatte jeder die Chance die Großmeister um ein Autogramm zu bitten.

Für uns Drei war dieses Ereignis ein Erlebnis, das uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. Wir wünschen dem Sieger des Turnieres viel Erfolg im November bei der Weltmeisterschaft gegen Magnus Carlsen.