Bericht von Sandra Schmidt

Schacheinzelmeisterschaften Apolda, 6. Runde

Zur sechsten Runde machte ich mich auf die lange Reise aus dem nördlichen Brandenburg nach Apolda, um einige der talentiertesten Schachspieler Deutschlands zu beobachten. Nach der mehrstündigen Fahrt treffe ich an der Hotelrezeption auf ein freundliches Gesicht, welches ich von Büchern und Bildern schon lange kannte. Es ist die Schachlegende die einst zusammen mit Garri Kasparow und weg Anatoli Karpow die Weltrangliste dominierte, Artur Jussupow. Schüchtern fragte ich ihn nach dem Weg zum Turniersaal, indem eine viertel Stunde später die 6. Runde freigegeben wurde. Schwarz schlug die Uhr an und nach wenigen Minuten entstanden die unterschiedlichsten Stellungen auf den Brettern. Ich entschied mich, meine an diesem Tag bescheidene Konzentration auf lediglich vier Spiele soweit wie möglich zu konzentrieren. Liviu-Dieter Nisipeanu und Rasmus Svane entschieden sich für die französische Verteidigung nach Tarrasch (1.e4 e6 2. d4 d5 3. Sd2 c5), während am zweiten Brett Dimitrij Kollars und Vincent Keymer mit der englischen Anglo-SlaVariation (1. c4 c6 2. Sf3 d5 3. g3 Lg4) ihre Chancen suchten. Nach dem zwanzigsten Zug war die Partie der beiden jugendlichen Spieler immer noch ausgeglichen. Doch als IM Kollars im 21sten Zug Tfe1 spielte wandelte sich das Blatt zugunsten von schwarz. Keymer stand laut Engine mit -0,51 nun etwas besser. Jedoch im nächsten Halbzug wandelte sich das Blatt erneut, indem schwarz seinen König aus der e-Linie auf d7 platzierte. Plötzlich steht weiß mit 1.81 deutlich besser. Drei Züge weiter stand Kollars bereits auf Gewinn, konnte die Partie dennoch nicht für sich entscheiden und es endete nach 30 weiteren Zügen in ein klares Remis.

Am fünften Brett wurden die Figuren von Tobias Jugelt und Luis Engel in die interessante Przepiorka Variation (1. d4 Sf6 2.Sf3 g6 3. g3 Lg7) bewegt. Diese Partie erinnerte mich an eine Wasserwaage die absolut waagerecht liegt. Sie war stets ausgeglichen und am Ende einigten sich die Spieler auf ein Remis. Auch das erste Brett kam zum gleichen Ergebnis.

Am neunten Brett traf FM Raphael Rehberg erneut auf einen Großmeister, Niclas Huschenbeth. Zuvor konnte er sich gegen jene in diesem Turnier gut behaupten. Hier entstand ein Sizilianer, Moskau Variation (1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. Lb5+ Sd7) und wurde bis zum zwölften Zug ausgeglichen weiter geführt. Danach spielte Rehberg etwas zu fair und verschenkte einzügig seinen Springer an Niclas Huschenbeth. Dies zwang ihn nach vier weiteren Zügen zur Aufgabe der Partie.

Zudem ist es erwähnenswert und anerkennend das Niclas Huschenbeth nach erfolgreicher Beendigung seiner Partie in der zweiten Runde gegen IM Telljohann kurzerhand filmisch auf seinem Hotelzimmer analysierte. Diese wurde obendrein zur Partie des Tages gekürt.

Den Link dazu gibt es hier: https://www.youtube.com/watch?v=jaHzOBALE9U&t=484s

Abschließend möchte ich sagen, dass mir der Tag viel Freude bereitet hat und die lange Fahrt somit in den Schatten stellt. Außerdem konnte ich allein durch stundenlanges zuschauen noch den ein oder anderen Kniff im Endspiel lernen.

Sandra Schmidt