Bericht 4. Runde DSOL: SC Wittstock – SK Gerolzhofen

Es freut mich, dich nach so einer langen Zeit wiederzusehen, Nikolas!

Oh ja, unsere letzte Unterhaltung ist schon eine ganze Weile her – fast ein Jahr, um genau zu sagen. Damals konnte man sich noch physisch gegenüberstehen, nun inspiziert man sich über einem Bildschirm.

Deine Haarpracht hat sich auch verändert.

Momentan scheint Wildwuchs wieder in Mode zu sein – dem Trend passe ich mich lediglich an. Schließlich soll man auch mit der Zeit gehen.

Und wenn 1. a4 als Eröffnung in Mode kommt, passt du dich dem auch an und schwimmst ‚mit dem Strom‘.

Na selbstverfreilich!

Nun sag mal, wie ich gesehen habe, spielst du nun für den SC Wittstock. Wie kam es denn dazu?

Das hatte ich bereits in meinem Bericht zur 2. Runde erläutert. Aus diesem Grund verweise ich an dieser Stelle darauf. Ich dachte, Journalisten wären immer gut informiert?

Sind sie eigentlich auch, aber anscheinend habe ich wohl noch Nachholbedarf.

Dann hast du ja nachher noch etwas zu tun.

Scheint so. Wie dem auch sei: Ich würde sagen, belassen wir es dabei und widmen uns lieber den wichtigen Dingen im Leben: Am vergangenen Dienstag, den 23.02.2021 hattet ihr euren 4. Spieltag bei der DSOL zu bestreiten. Dabei durftet ihr ‚zuhause‘ gegen den SK Gerolzhofen spielen, einem bayerischen Verein aus Unterfranken.

Genau, am Brett selbst war ich jedoch nicht tätig. Es sollen schließlich auch andere ran dürfen. So ganz untätig war ich aber nicht: Ich durfte als begeisterter Zuschauer den Verlauf der Begegnungen live mitverfolgen!

Und wer spielte gegen wen?

Es spielten an

Brett 1: Martin Preiß (1933) gegen Matías Lazarte (1840),

Brett 2: Leon Grabowsky (1546) gegen Lothar Reß (1667),

Brett 3: Gregor Johann (1842) gegen Nico Adams (1000) und

Brett 4: Robert Schlüter (1559) gegen Daniel Schlag (1591).

Wie ich mitbekam, fand die Partie an Brett 3 als erstes ihr Ende.

Das stimmt, sowohl Gregor als auch sein Gegner führten ihre Züge recht schnell aus. Bereits früh war eine kritische Stellung auf dem Brett, bei der Gregor, so denke ich, einen Zwischenzug übersehen hat. Durch das Schlagen des Springers c3 bekam Schwarz einen Freibauer auf der b-Linie, der schon weit vorgerückt war und in Verbindung mit dem Läufer f5 Gregor vor ein großes Problem stellte. Er konnte den Bauern letztendlich gewinnen, jedoch nicht ohne dabei Zugeständnisse zu machen. So verlor er aufgrund wenig Spielraum einen ganzen Turm. Als dann noch sein Läufer und sein verbliebener Turm abgetauscht wurden, war die Niederlage endgültig besiegelt.

Es stand also 0-1 gegen euch.

Leider ja. Bei dann nur noch drei verbliebenen Partien ist es schwer, den Wettkampf zu seinen Gunsten zu entscheiden. Schließlich muss man bedenken, dass bei den 3 Partien mindestens 2,5 Punkte bei herausspringen müssen. Es darf also keine Partie mehr verloren gehen, zwei müssen zwangsweise gewinnen und eine Partie muss mindestens Remis enden. Das ist halt der Nachteil bei einem 4-gegen-4-Wettkampf. Wären es jetzt 8 gegen 8 wie beim herkömmlichen Ligenspielbetrieb, wäre ein abgegebener Punkt zwar auch nicht unbedingt schön, jedoch würde dieser noch nicht die Welt bedeuten, weil noch 7 Begegnungen laufen und demzufolge alles offen ist.

Deinen Worten zur Folge präferierst du also 8-gegen-8-Wettkämpfe.

Ja, ich denke schon. Gegen 4-gegen-4 habe ich aber ansonsten nichts einzuwenden, schließlich steht der Spaß im Vordergrund.

Spaß hat sicherlich auch das Zuschauen der Partie an Brett 2 gemacht.

Oh ja. Von Leons schachlichen Fertigkeiten werde ich mehr und mehr ein Freund. Er agiert sehr sicher und spielt auf einem hohen Niveau. Das hat er an dem Tag wieder gezeigt: Nach der Eröffnung übernahm er die Initiative, verschaffte seinem Gegner eine Schwäche auf c6 und spielt ihn dann positionell immer weiter an die Wand, bis nichts mehr ging. Leon gewann zwei Bauern und schob seine entstandenen Freibauern am Damenflügel bis an die gegnerische Grundreihe heran. Als er dann eine zweite Dame auf dem Brett hatte, gab sich sein Gegenüber geschlagen. Ein rundum souveräner Sieg von Leon.

Leon hat wie bei seinem ersten Einsatz in Runde 1 gegen Falkensee gegen einen nominell stärkeren Spieler einen vollen Punkt geholt. Was würdest du zu seiner Zukunft als Schachspieler sagen?

Viele spielen weit stärker, als ihre Wertzahl vermuten lässt. So ist es auch bei Leon der Fall. Meiner Meinung nach ist seine momentane DWZ viel zu niedrig; mindestens eine 1700 finde ich da eher realistisch. Er sollte vielleicht ein paar mehr Turniere spielen. Das ist aber gegenwärtig etwas schwierig, wie jeder weiß.

Da sprichst du natürlich ein wichtiges Thema an – hoffen wir, dass noch in diesem Jahr wieder ein Schachspiel am physischen Brett möglich sein wird! Bis dahin müssen wir uns online vergnügen.

So sieht es aus!

Widmen wir uns wieder eurem Wettkampf: Durch Leons Sieg konntet ihr zum 1-1 ausgleichen. Doch musstet ihr zu Beginn eine Zeit lang auf euer 4. Brett warten – was hatte es denn damit auf sich?

Den Worten meiner Mannschaftsleiterin zur Folge hat Daniel seinen Einsatz nicht vergessen. Er kam 20 Minuten nach Beginn dazu; wahrscheinlich war er von 20 Uhr als Spielstart ausgegangen. Dennoch ändert das nichts an der Tatsache, dass sein verspätetes Kommen nicht gerade optimal für uns war.

Das heißt, dass er mit nur noch knapp der Hälfte seiner ursprünglich zur Verfügung stehenden Bedenkzeit auskommen musste, wenn ich jetzt richtig gerechnet habe.

Das ist richtig. Er führte seine Züge dementsprechend etwas schneller aus. Zu seinem Nachteil spielte sein Gegner dann noch das recht offensivlastige Königsgambit. Jeder, der schon mal in irgendeiner Form damit zu tun hatte, weiß: Einmal fehlgegriffen und das war es! Dieses Schicksal ereilte auch Daniel, der seinem Gegner noch in der Eröffnung einen Einschlag auf f7 erlaubte. Es folgten ein paar forcierte Schachgebote, die zwanghaft zum Geben der Dame und somit zum Partieverlust führten.

So schnell wie die Partie begonnen hat, war sie dann schon wieder vorbei.

Traurig, aber wahr. Damit stand es 1-2 für Gerolzhofen – Matias musste es nun richten und irgendwie gewinnen, damit wir zumindest noch einen Mannschaftspunkt mitnehmen.

Eine undankbare Aufgabe, nehme ich an, zumal er am 1. Brett agierte und es mit dem stärksten Spieler vom gegnerischen Team zu tun hatte.

So sehe ich das auch. Matias war zu Beginn in Blitz-Laune und spielte sehr schnell – anscheinend hat die Quarantäne-Liga, bei der Wittstock ja auch regelmäßig teilnimmt, ein stückweit Spuren hinterlassen. Jedenfalls hatte er zwischenzeitlich sogar über 15 Minuten mehr auf der Uhr. Dazu noch stand er solide, weshalb Weiß viel Zeit investierte, um Fortschritte zu erzielen. Weiß gelang es, im Verlauf des Mittelspiels einen Bauer zu gewinnen und verschaffte sich zugleich einen Freibauer auf der c-Linie, gegen den Matias im Folgenden ankämpfen musste. Beide Spieler steckten fortan mehr und mehr Bedenkzeit in ihre Züge: Weiß schob seinen Freibauer bis auf die 7. Reihe vor, doch Matias hielt dagegen. So kam es, dass Weiß über nur noch sehr wenig Restbedenkzeit verfügte, dafür aber besser stand. Schlussendlich wickelte Matias ins Dauerschach ab, da er die Bauernumwandlung nicht hätte verhindern können. Die Partie wäre bei einer anderen Fortsetzung verloren gewesen, weswegen er zumindest den halben Punkt mitnahm.

Der halbe Punkt reichte aber nicht, um noch den Ausgleich zu erzielen.

Genau. Wir haben folglich etwas unglücklich mit 1,5-2,5 gegen Gerolzhofen verloren. Der Tag stand unter keinem optimalen Stern und ich glaube, dass mehr drin war.

Damit findet ihr euch nun in unserer Liga 6A auf dem letzten Tabellenplatz.

Naja, ich würde das etwas anders formulieren: Wir sind Erster. Den Zusatz ‚von hinten‘ muss man ja nicht zwingend erwähnen. [grinst]

Es ist alles eine Sache der Auslegung.

Korrekt. Aber mal Spaß beiseite, zwar haben wir die rote Laterne nun unfreiwillig an uns genommen, doch behalten wollen wir sie nicht. Wir werden alles daransetzen, die Liga nicht ganz hinten abzuschließen.

Wie schätzt du eure Chancen für das Erreichen der K.O.-Phase ein?

Diese Frage macht jetzt eigentlich nur noch wenig Sinn, aber da ich von Natur aus ein höflicher Mensch bin, möchte ich dir eine Antwort darauf geben: Eine theoretische Chance besteht noch, aber wenn wir ehrlich sind, ist es doch bei nur noch drei verbleibenden Spieltagen recht unwahrscheinlich, einen der ersten beiden Plätze zu erreichen. Letztendlich geht es um den Spaß und den haben wir. Außerdem heißt es ja auch nicht umsonst: Dabei sein ist alles.

Wie ist es eigentlich, mal ausschließlich Spieler zu sein? Schließlich bist du ja mittlerweile schon seit 6 Jahren Mannschaftsleiter in Leegebruch.

Es ist tatsächlich mal eine schöne Abwechslung, also sehr angenehm. Daran könnte man sich gewöhnen! [grinst]

Bist du denn mit der Arbeit deiner Mannschaftleitung zufrieden?

Voll und ganz – was für eine Frage! Nun stell dir doch einmal vor, ich würde etwas anderes darauf antworten – dann würde man mich schneller wieder aus dem Verein rausschmeißen, als ich eingetreten bin! [lacht]

Eine letzte Frage hätte ich noch: Werden wir dich am nächsten Spieltag gegen den SV Leverkusen spielen sehen?

Zu so einer Frage mache ich grundsätzlich keine Angabe, tut mir leid.

Ok, verstehe. Ein Versuch war es immerhin wert. Dann bedanke ich mich bei dir, dass du Zeit für dieses Gespräch gefunden hast. Wer den nächsten Spieltag des SC Wittstock live mitverfolgen möchte: Einfach am kommenden Freitag, den 05.03.2021 zuerst auf diese Verlinkung, dann auf den Link „Für Zuschauer“ gehen und ab 19:30 Uhr das Spektakel genießen! Viel Erfolg noch und alles Gute, Nikolas!

Danke, das wünsche ich ebenso!

(Fun-Fact: Das Interview führte Nikolas Nimptsch – er sprach also die ganze Zeit über mit sich selbst.)

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